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Börsenblut ist selten gut

Es gibt entweder gute Nachrichten oder billige Aktien, aber nicht beides gleichzeitig. Die Börse reagierte gestern mit einem mehr als dicken Daumen nach unten auf Donald Trumps Ankündigung von Zöllen, die der amerikanischen Industrie eine Renaissance bescheren sollen. Das Wall-Street-Barometer fiel gestern um fast 5%, so stark wie seit dem Corona-Jahr 2020 nicht mehr.

US-Vizepräsident JD Vance sagte, er habe eine schlimmere Reaktion des Marktes befürchtet, schließlich handele es sich um einen “großen Umbruch”. Der Dax weitet unterdessen sein 3%-Minus heute fast im gleichen Tempo aus, der Nikkei sackte zeitweise um 4% ab. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte die Unternehmen auf, ihre Investitionen in den USA zu stoppen. Brüssel erwägt, amerikanische Technologiegiganten ins Visier zu nehmen und China kündigte gerade einen 34%-Zoll auf alle Importe aus den USA an.

UBS Global Wealth Management hat US-Aktien wegen des Risikos einer allmählichen Eskalation des Handelskriegs herabgestuft. Washington könnte in diesem Zusammenhang Untersuchungen zur nationalen Sicherheit einleiten und weitere Zölle einführen. Die Konsenserwartungen für Unternehmensgewinne und Konjunktur dürften sinken.   

Handelsraum an der New York Stock Exchange am 3. April Foto: Michael Nagle/Bloomberg

Wall-Street-Veteran Edward Yardeni sieht am US-Aktienmarkt Schnäppchenpotenzial. Trump werde in den nächsten drei bis sechs Monaten mit einigen Zugeständnissen der US-Handelspartner “so nachgeben, dass er einen Sieg verkünden kann”. Davon sei wegen des zu erwartenden Konjunkturdämpfers auszugehen und auch angesichts des Umstands, dass 2026 Kongress-Wahlen anstehen. 

Trump selbst sagte auf die Frage, ob er zum Einlenken bereit sei, es komme darauf an. “Wenn jemand sagt, wir geben Ihnen etwas, das wirklich phänomenal ist, solange sie dann uns etwas geben, das gut ist”, so der US-Präsident. Irgendwo zwischen Außergewöhnlichem und Gutem könnte es also einen Kompromiss geben.

Bill Gross indessen rät Anlegern, nicht in ein fallendes Messer zu greifen. “Dies ist ein episches Wirtschafts- und Marktereignis, ähnlich wie 1971 und das Ende des Goldstandards, nur mit sofortigen negativen Folgen.“ Trump könne in nächster Zeit keinen Rückzieher machen. “Dafür ist er zu sehr Macho.”

Was Marktteilnehmer heute noch bewegen könnte, berichten Ihnen Annika Reichelt, Rainer Bürgin und Jenni Thier: Düsseldorfer Neuigkeiten, zunächst Pause, Risiken und Nebenwirkungen, Friends Forever und Flugangst.

Düsseldorfer Neuigkeiten

Mit einem Kursrutsch von bis zu 15% reagierten die Papiere von Gerresheimer am Freitag auf die Nachricht, dass sich der US-Finanzinvestor KKR Kreisen zufolge aus einem Private-Equity-Konsortium zurückzieht, das den Kauf des Düsseldorfer Unternehmens erwägt. Damit wäre nur noch Warburg Pincus als Interessent übrig. Die Beteiligungsgesellschaft bemühe sich weiterhin um eine Einigung. Die Beratungen dauerten an und es gebe keine Gewissheit, dass sie zu einem Deal führen werden, so die Personen. Sprecher von KKR und Warburg Pincus wollten sich dazu nicht äußern, ein Vertreter von Gerresheimer war nicht umgehend für eine Stellungnahme erreichbar. Rheinmetall-Aktien waren unterdessen am Mittag gesucht, nachdem das Bundeskartellamt die Gründung eines Rüstungs-Joint-Ventures des Düsseldorfer Unternehmens genehmigt hatte. Gemeinsam mit dem Militärtechnik-Konzern Thales, KNDS Deutschland und KNDS France will Rheinmetall das modulare “Main Ground Combat System” entwickeln, das bis 2040 die Kampfpanzer Leopard 2 und Leclerc ablösen soll. Alleinige Kunden des Joint Ventures werden die Regierungen Deutschlands und Frankreichs sein.

Zunächst Pause

Händler haben ihre Wetten auf EZB-Zinssenkungen erhöht und preisen nun drei Viertelprozentpunkte bis Jahresende voll ein. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen fiel am Vormittag auf den niedrigsten Stand seit dem 4. März. Insgesamt stehe die EZB indes nicht unter unmittelbarem Druck, die Zinsen zu senken, schreibt Ven Ram im Markets Live Blog. Am 17. April werde der Rat wohl noch nicht wissen, welche Maßnahmen die EU vorschlagen werde. Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses im Europäischen Parlament, sagte Bloomberg, dass eine Reaktion binnen eines Monats möglich sei. Der EZB-Rat wird auch keine aktualisierten makroökonomischen Prognosen haben, die die Zölle berücksichtigen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Zentralbank dieses Mal pausiert. EZB-Rat Peter Kazimir sagte gestern, die US-Zölle seien “bereits weitgehend in unseren Prognosen berücksichtigt — sie gehören zu den schlimmsten Szenarien, auf die wir uns einstellen müssen“. Aus dem letzten EZB-Protokoll geht hervor, dass die Währungshüter für ihre April-Sitzung sowohl eine Zinssenkung als auch eine Pause für möglich hielten, je nach Datenlage. Die deutschen Auftragseingänge sprechen eher für eine Lockerung: Entgegen den Erwartungen eines Anstiegs um 3,4% blieben sie im Februar unverändert.

Risiken und Nebenwirkungen

China wird von Trumps Zoll-Offensive besonders hart getroffen. Gleichzeitig bietet dies Xi Jinping die Chance, die Beziehungen zu traditionellen Verbündeten der USA zu vertiefen. “Der Tag der Befreiung isoliert Amerika vom Rest der Welt, indem er allen anderen Ländern einen Anreiz gibt, miteinander statt mit Amerika Handel zu treiben“, sagte Frank Tsai von der Emlyon Business School in Shanghai. Stunden nach Trumps Ankündigung stellte Chinas Handelsministerium fest, dass “viele Handelspartner starke Unzufriedenheit geäußert haben“. Die Staatsmedien des Landes bekräftigten die Botschaft später. “Protektionismus funktioniert nicht — er ist keine Lösung“, erklärte Vize-Finanzminister Liao Min — einer von Xis Unterhändlern im ersten Handelskrieg — an der Londoner Börse anlässlich der Emission der ersten grünen Staatsanleihe Chinas. “China und das Vereinigte Königreich wissen um die Vorteile der Globalisierung, die auf einer soliden Grundlage der Zusammenarbeit beruhen.” Unterdessen nimmt die dänische Politik hinsichtlich Trumps Grönland-Ambitionen kein Blatt mehr vor den Mund. Diese stellten die “Weltordnung in Frage, die wir über Generationen hinweg gemeinsam über den Atlantik hinweg aufgebaut haben”. 

Friends Forever

Nach Ablauf seiner 130-tägigen Amtszeit als vorübergehender Berater und “First Buddy” von US-Präsident Trump wird Elon Musk von seiner Sonderfunktion an der Spitze des Kosteneinsparungsprogramms “DOGE” zurücktreten. Doch informierten Kreisen zufolge wird der Milliardär weiterhin erheblichen Einfluss auf die Bemühungen ausüben und auch nach seinem formellen Ausscheiden ein Vertrauter von Trump bleiben. Ein offizielles Datum für Musks Ausscheiden wurde zwar noch nicht festgelegt, jedoch müsste seine Amtszeit — ab der Amtseinführung von Trump gerechnet — planmäßig am 30. Mai enden. “Ich finde Elon großartig, aber er hat auch ein Unternehmen zu führen, oder eine Reihe von Unternehmen”, sagte Trump am Donnerstag an Bord der Air Force One. Er gehe davon aus, dass Musk wahrscheinlich in “einigen Monaten” gehen werde. Genug zu tun dürfte es für den Südafrikaner besonders bei Tesla geben: Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes lagen die Neuzulassungen in den ersten drei Monaten bei 4.935 und damit um 62% unter Vorjahresquartal. Der März-Absturz fiel mit -43% indes geringer aus. Die Fabrik in Grünheide gehörte zu den Werken mit Produktionsumstellungen für das aktualisierte Model Y.  

Flugangst

Bei den Fluggesellschaften wächst die Nervosität angesichts der transatlantischen Verwerfungen — erst recht nach Trumps Zoll-Ankündigungen vom Mittwoch. Eine Woche zuvor hatten sich Führungskräfte der größten europäischen Fluggesellschaften in Brüssel getroffen und einen positiven Ausblick auf die Nachfrage nach Reisen zwischen den beiden Kontinenten in diesem Sommer gegeben. “Wir sollten uns nicht von den offensichtlichen Belastungen der transatlantischen Beziehungen beirren lassen”, sagte etwa Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa. Doch nun hat sich die Situation verändert. Schon zu Beginn der Woche warnte Virgin Atlantic Airways vor einem Rückgang der Nachfrage von US-Freizeitreisenden nach Großbritannien. Obwohl es sich nur um eine kurze Erwähnung in einer Telefonkonferenz handelte, schickten diese Kommentare die Aktien der British Airways-Muttergesellschaft IAG in den Sturzflug. Die US-Airlines fielen ebenso wie ihre europäischen Pendants. Die Unsicherheit der Verbraucher, die bereits den US-Inlandsreisemarkt belastet hat, dürfte sich weiter verstärken. Es gebe “keinen Ort, an dem man sich vor den nachlassenden Nachfragetrends verstecken kann”, schrieb der Analyst Andrew Didora von der Bank of America in einer Mitteilung am Donnerstag, als er die Kursziele für die drei großen US-Fluggesellschaften vor den in der kommenden Woche anstehenden Geschäftsberichten senkte.

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