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Mercedes-Notfallpläne für Trump-Zölle

US-Präsident Donald Trump bezeichnet den heutigen Mittwoch als “Befreiungstag“ für die USA, für deutsche Autohersteller wird es ein Tag der Unfreiheit. Denn ab morgen kurz nach Mitternacht gelten Einfuhrzölle von 25% für in die USA importierte Autos und bestimmte Autoteile. Und Trump will heute noch zusätzliche Gegenzölle ankündigen. Wie hoch diese ausfallen, ob sie nur für bestimmte Produkte gelten oder für alle Waren, ob sie gestaffelt werden oder ab einem bestimmten Stichtag oder Stichtagen gelten — all das ist noch unklar.

Was allerdings langsam klarer wird, ist die mögliche Reaktion deutscher Autobauer auf die Zolldrohungen aus den USA. Zwar hofft die Branche weiterhin, dass die EU und die US-Regierung einen Zollkrieg durch Verhandlungen abwenden können. Doch Mercedes bereitet bereits Notfallpläne vor: Der Autohersteller erwägt, das Angebot seiner günstigsten Fahrzeuge auf dem US-Markt zurückzufahren, wie Bloomberg von mit den Überlegungen vertrauten Personen erfahren hat.

Künftig kaum Marge. Ein Mercedes-Benz GLA. Foto: Andreas Gebert/Bloomberg

Mit den Importzöllen drohen dem Autobauer Verluste bei Verkäufen von Einsteigermodellen wie dem Kompakt-SUV GLA, sofern Mercedes nicht kräftig die Preise erhöht — weshalb der Konzern erwägt, die Verkäufe solcher vergleichsweise günstiger Modelle in den USA zu reduzieren. Noch hat der Konzern dazu keine Entscheidung getroffen, auch weil die konkrete Ausgestaltung der US-Importzölle weiterhin unklar ist.

Die Ansätze von Autoherstellern für den Umgang mit einem US-Handelskrieg sind bislang unterschiedlich: Ferrari und Aston Martin planen Preiserhöhungen in den USA, während Volkswagen die Ausweitung der dortigen Produktion erwägt. Stellantis wiederum setzt auf Verhandlungen mit der US-Regierung.

Aber eines zeichnet sich jetzt schon ab: Die US-Importzölle, sofern sie Bestand haben, werden alle großen europäischen Autobauer kräftig Marge kosten.

Was Marktteilnehmer heute noch bewegen könnte, berichten Ihnen Rainer Bürgin, Annika Reichelt, Stephan Kahl, Jenni Thier und Alexander Kell: Im Blindflug, Öl-Daumenschrauben, Wohnen im Büro, schau mir in die Augen! und amerikamüde.

Im Blindflug

Um 22 Uhr deutscher Zeit will Donald Trump seine Pläne zur Einführung reziproker Zölle im Rosengarten des Weißen Hauses verkünden. Wie zu hören ist, ist sein Team noch dabei, die Höhe und den Umfang der neuen Abgaben festzulegen. In Sitzungen am Dienstag habe man die Optionen weiter ausgearbeitet, berichteten darüber informierte Personen gegenüber Bloomberg. Trump selbst hatte Anfang der Woche gesagt, man habe sich auf einen Ansatz “geeinigt”. Wie zu hören ist, werden mehrere Modelle erwogen, darunter ein gestaffeltes Zollsystem mit einer Reihe von Pauschalsätzen für Länder und ein individuelleres Gegenseitigkeitssystem. Bei der ersten Option würden die Länder mit Zöllen in Höhe von 10% oder 20% belegt, je nachdem, wie hoch ihre eigenen Zölle und andere von den USA kritisierte Handelshemmnisse sind. Angesichts des Mangels an Details zu den Abgaben sei die Welt derzeit “im Blindflug unterwegs”, so Nomura-Chefökonom Rob Subbaraman. Laut Goldman dürfte der durchschnittliche US-Zoll für alle Länder in diesem Jahr wahrscheinlich um 15 Prozentpunkte steigen. Dies würde die Kerninflation erhöhen, das Wachstum schwächen und zu einer größeren Rezessionsgefahr führen.

Öl-Daumenschrauben

Die USA erhöhen den Druck auf Russland, einer Waffenruhe in der Ukraine zuzustimmen. Eine Gruppe von 50 republikanischen und demokratischen Senatoren hat ein Sanktionspaket eingebracht, das Moskau und Länder, die russische Energierohstoffe kaufen, treffen soll, falls Präsident Wladimir Putin sich weigert, über einen Waffenstillstand zu verhandeln oder ein mögliches Abkommen bricht. Dann würden die USA unter anderem Einfuhren aus Ländern, die russisches Erdöl, Erdölprodukte, Erdgas oder Uran kaufen, mit einem Zoll von 500% belegen. “Der Grund, warum es keinen Waffenstillstand gibt, ist, dass Putin auf Zeit spielt”, sagte Richard Blumenthal, Demokrat aus Connecticut. Das Paket würde zu einer Konfrontation mit wichtigen Abnehmern russischer Energie wie Indien und China führen und Europa, das immer noch von russischem Gas abhängig ist, in eine schwierige Lage bringen. Der Ölpreisanstieg vom letzten Monat ist zunächst unterbrochen. Wie CNN unter Berufung auf US-Kreise berichtet, soll sich der Chef des russischen Staatsfonds und Putins Sondergesandter für internationale Wirtschaftsbeziehungen, Kirill Dmitriew, diese Woche in Washington mit dem US-Gesandten Steve Witkoff treffen

Wohnen im Büro

Wer durch Frankfurt läuft, dem wird es nicht entgangen sein: viele Büros stehen leer. Schuld daran ist auch der Siegeszug des Homeoffice. Gleichzeitig gibt es in der Stadt einen großen Mangel an Wohnraum. Vor diesem Hintergrund könnte es eine Reihe von Umnutzungen geben, meinen Experten. “Wir sehen in Frankfurt ein wahnsinnig hohes Interesse von Investoren, etwa von Private-Equity-Gesellschaften, leerstehende Bürogebäude in Wohnungen umzuwandeln”, sagte etwa Manuel Backfisch, Chef des Maklers Colliers Deutschland, in einem Interview mit Bloomberg. Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch Suat Kurt, Niederlassungsleiter des Maklers JLL in Frankfurt. Für die Umwandlung besonders geeignet sind seinen Worten zufolge die City West entlang der Theodor-Heuss-Allee und das Mertonviertel. Hier gebe es viele leerstehende Büros und zugleich eine gute Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz. Derzeit scheitern Umwandlungen allerdings oft noch an den Kosten, was sich mit sinkenden Zinsen oder Förderprogrammen aber ändern könnte. 

Sehen Sie hier unsere Video-Analyse zur Umnutzung von Büros in Frankfurt.

Schau mir in die Augen!

Mit der bisherigen Digital-Brille der Facebook-Mutter Meta kann man Fotos machen, filmen und Musik hören. Die geplante neue Version soll indessen auch einen Mini-Bildschirm enthalten, mit dem man Programme nutzen kann - und ist damit ein größerer Schritt in Richtung Augmented Reality, die ohne klobige Technik mit 90er-Jahre-Flair auskommt. Kosten die bislang erhältlichen Ray-Ban Meta Glasses knapp 300 Dollar, werden es für die neue Luxusversion mit dem Codenamen Hypernova wohl über 1.000, vielleicht sogar 1.400 Dollar. Wer damit im Gespräch häufiger nach unten blickt, der blättert vielleicht gerade in der Wetter-App — oder dem LinkedIn-Profil seines Gegenübers. EZB-Chefin Christine Lagarde warnte gestern vor den Nebenwirkungen der Künstlichen Intelligenz: “Die Nachfrage nach höher qualifizierten Arbeitskräften, die KI am effektivsten nutzen können, wird steigen, während diejenigen, die weniger in der Lage sind, neue Fähigkeiten zu erlernen, darunter leiden könnten.”

Amerikamüde

US-Präsident Donald Trump hat das Image der USA bei vielen Europäern nicht gerade verbessert. Neben Boykott-Aufrufen amerikanischer Produkte und abgefackelter Teslas gibt es Indizien, dass auch der Tourismus leidet. So sagte Sébastien Bazin, CEO der französischen Hotelgruppe Accor, gegenüber Bloomberg TV, dass die Buchungen in die USA für diesen Sommer um 25% eingebrochen seien. Das Unternehmen sehe eine “ziemlich starke Verlangsamung”. Der erwartete Rückgang sei größer als der in den ersten 90 Tagen des Jahres von 18% bis 20%, sagte er. Die Reisenden entschieden sich stattdessen für Kanada, Südamerika und Ägypten, so Bazin. Er vermute dahinter Angst, sich in “unbekanntes Gebiet” zu begeben. Zwar handle es sich bisher um Einzelfälle, wenn Menschen an der US-Grenze festgehalten wurden. Doch diese hätten eine “schlechte Stimmung” verbreitet, was sich in den Buchungstrends niederschlage, so Bazin. Das Portfolio von Accor umfasst mehr als 45 Hotelmarken, darunter Namen wie Sofitel und Fairmont. Zu den prominenten US-Häusern gehört The Plaza in New York, das einst Trump gehörte und am Rande des Central Park liegt. Transatlantische Reisen sind seit langem eine wichtige Stütze für Fluggesellschaften und Tourismusunternehmen und gelten als einer der lukrativsten Korridore der Welt.

Was sonst noch so passiert ist:

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